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Fisternöll

Fisternöllchen Fisternöllschen ist im zentralen Rheinland eine heimliche Liebelei Ham die en Fisternöll? Auch die oder der Geliebte wird so bezeichnet: Der is bei singem Fisternöll. Besonders häufig anzutreffen als Fastelovendsfisternöll En Fastelovendsfisternöll ist am Aschermittwoch vorbei. Am Niederrhein ist ein Fisternölleken oder Fisternölleke ein seltsame Form von Schnaps: ein Klarer (Korn oder Doppelkorn) mit einem Zuckerstückchen und (auf der Duisburger Becker Kirmes) einer Rosine oder einer Kaffeebohne. In Teilen des zentralen Rheinlands (von Düsseldorf bis zur niederländischen Grenze) ist Fisternöll eine Bastelei, Fummelei, irgendeine unbedeutende Kleinarbeit: Der määt järn su e Fisternöll. Jemand, der so eine Bastelei unternimmt, ist dementsprechend ein Fisternölles oder auch Fiskesnöres (eine seltene Lautvariante). fisternöllen, fastronöllen sich unpassend oder auffällig anziehen (wird aus Andernach gemeldet).

Bearbeiter: Bernadette Zalewski (Bonn), Josef Düren (Köln), Dr. Werner Versteeg (Kevelaer), Sylvia Marmann (Bornheim), Renate Schiffer (Unkel), Susanne Soppart (Köln), Andreas Richarz (Köln), R.E. Fiedler (Düsseldorf), Herbert Milz (Dormagen),Josef Bollig (Frechen), Felicitas Schulze (Much), Willi Will (Hamminkeln), Gerd Wagener (Sandhausen), Michael Mühr (Rösrath), Hans Lewandowski (Neuenrade), C.S. P. (Duisburg), Ariane Müller (Andernach/Wien)


Kommentare

13.04.2019, 18:49 Uhr
Hans Friedrich Rosendahl
Bonn
Ich hörte, dass das Fisternöllche genau wie Visematenten aus dem Französischen käme: Nämlich der "Fils de nul", das uneheliche und vaterlose Kindchen, das dabei herauskommt, wenn ein Mädchen zuvor der Aufforderung "Visitez ma tente" nachgekommen ist, aber später auf dem Meldeamt als Vater nur den Unbekannt nennen kann.

15.05.2019, 10:28 Uhr
Redakteur: Die Geschichte stimmt nicht. Ich verweise auf die Rubrik "Wort des Monats". Gruß P. H.

06.04.2012, 11:56 Uhr
Christina S.-P.
Duisburg
Soweit ich weiß, gibt es auf der Beeker Kirmes den Korn mit Zucker und Rosine, nicht Kaffeebohne... Kaffeebohne kenne ich nur im Zusammenhang mit Sambuca...

11.06.2009, 11:07 Uhr
Agnes Tappe
Essen
Als spezielle Form der Liebelei kenne ich auch noch das sog."Bratkartoffelverhältnis". - ich glaube, das kam aus dem Sprachgebrauch im Ruhrgebiet und bezeichnete ein "Krösken" eines Untermieters mit der Tochter seines Vermieters.

24.11.2008, 16:36 Uhr
Peter Honnen (Redakteur)
ohne Ort
Die Abstammung aus dem Französischen ist eine schöne und alte, aber leider auch falsche Wortlegende. Alles Weitere dazu in dem Buch "Alles Kokolores? Wörter und Wortgeschichten aus dem Rheinland."

16.11.2008, 19:10 Uhr
Axel Bieling
Mönchengladbach
Ich stimme Karl-Peter Herbst mit einer Ergänzung zu: Das Weihnachtskind, in der Regel zu Karneval unehelich gezeugt, kam eben kurz vor Weihnachten zur Welt und wurde unter dem Mantel in die Messe getragen, um es "anständig" zu machen.

17.05.2008, 17:38 Uhr
Herbst Karl-Peter
Bonn / Grafschaft
Aus meiner neuen, zweiten Heimat, weis ich, dass es in Bad Neuenahr/Ahrweiler mal einen Stadtbereich, französischer Korbmacher gab, wo es den Begriff "Fils de Noel" gab, für ein "Kind vom Weihnachtsmann" welches eine Maid per Fistrenöllchen bekam.

06.07.2007, 17:12 Uhr
Horst Stinnertz
47877 Willich
"Fisternöllche" = verheimlichte Liebelei gibt es bei uns nur im Diminutiv. "Dä hät e Fisternöllche mött jat Jerda"

12.03.2007, 14:41 Uhr
Berthold Heizmann
Siegburg
Rheinisches Wörterbuch 2, Sp.501: "kleiner Kornschnaps mit Zucker, bes. auf Neujahr Mörs, Dinsl, Duisb".

03.03.2007, 15:00 Uhr
Herbert Milz
Dormagen-Stürzelberg
Fisternöll = Kleinarbeit unbemerkt tun: "Dä mät jän su jet Fisternöll." außerdem: unnötige Umstände: "Mach doch nitt su ne Fisternöll." Fisternölles = ein handwerklich Geschickter; einer,der knifflige Arbeiten ausführt; Tiftler

21.02.2007, 00:29 Uhr
ohne Name
ohne Ort
Ja, die Franzmänner,die sin et schuld! Aber die haben uns auch einmalige Wortschöpfungen geschenkt. Danke dafür.


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